from time to time

Ballett von John Neumeier

Musik: Franz Schubert – Klaviersonate in B-Dur, Simon & Garfunkel – The Dangling Conversation
Choreografie, Bühnenbild, Kostüme und Licht: John Neumeier

URAUFFÜHRUNG:
Ballett am Rhein, Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf, 3. Juni 2022

ORIGINALBESETZUNG:
Futaba Ishizaki
Simone Messmer

Rashaen Arts
Orazio Di Bella
Evan L'Hirondelle
Julio Morel

VON JOHN NEUMEIER
Die Einladung von Demis Volpi kam überraschend, aber seine Idee faszinierte mich. George Balanchines “Die vier Temperamente” in Verbindung zu setzen mit vier neu kreierten Werken, die den vier einzelnen Temperamenten gewidmet sind, machte mich gespannt. Melancholie ist mir zugeteilt. Nie zuvor hatte ich präzise darüber nachgedacht, wie subtil dieses Temperament tatsächlich ist. Irgendwo zwischen Nostalgie und tiefer Trauer –Melancholie" ist schwer zu definieren. Nicht zuletzt, weil es immer sehr persönlich ist. Meine Melancholie gehört mir alleine. Sie haben Ihre eigene Melancholie. Obwohl unsere “gemeinsame Melancholie” ähnliche Quellen haben kann: die nicht wiederbelebbare Vergangenheit, die allzu schnell verstreichende Zeit, eine ferne Familie oder das fehlen eines Menschen, zu dem man sagen kann: “Do you remember when ...?” Melancholische Gedanken führten mich über Schostakowitsch (tragisch) und Beethoven (traurig) zu Simon and Garfunkel und Schubert – und letztendlich zu dessen letzter Klaviersonate in B-Dur. Als David Fray mir, ohne mein neues Projekt zu kennen, vor einer “Ghost Light”-Probe die erste Phrase des ersten Satzes spontan vorspielte, erkannte ich meine eigene Melancholie in Schuberts. Wie immer: Die lebendige emotionale Form bekam mein Ballett erst mit der ersten Probe im Ballettsaal. In meiner Improvisation, gespiegelt durch die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett am Rhein, fing eine melancholische Reise an, dessen Endstation “from time to time” sein wird.